Einige Anmerkungen zum kayaken in Spanien,
die aber nicht die Lust zum paddeln nehmen sollten!

Von Kleinkraftwerken, Anglern und merkwürdigen Umweltgesetzen

Galicien und Asturien sind Wildwasserparadiese, bis auf einige Probleme die vor Ort plötzlich
auftreten können. Zum einen:

Die Kleinkraftwerke sind leider sehr in Mode in Galicien, mit einem alten Flussführer steht man
nicht selten vor einem trockenen Flusslauf. Im Jahr zuvor noch gepaddelt und im nächsten Jahr
schon alles abgeleitet, so schnell kann das gehen. Im Gegensatz zum allgemeinen spanischen Arbeitstempo, geht das wegstauen rasend schnell. Erstmal gebaut, sind Tatsachen geschaffen
, auch wenn es keine Umweltverträglichkeitsstudien etc. gibt.
Abgerissen wurde bisher noch kein illegales Stauwehr, aber dafür viele nachträglich legalisiert.

Merkwürdig ist schon, dass die Kraftwerkskonzessionen in der Hand von wenigen Familienclans
sind, die gleichzeitig beste Verbindungen zu galicischen Lokalpolitikern haben.

Konzessionen gingen schon mal für lächerliche 600 euros über den Tisch (z.B. obere
Landroableitung,ohne Baugenehmigung fertiggestellt und nach vier Jahren nachträglich legalisiert,
nachdem diekonservative PP wieder an der Macht war).

Und weiterhin gibt es Pläne auch noch den Rest der galicischen Wildwasserperlen zu opfern.
Dabei ist die Durchflussmenge der Bäche generell gering und die Zerstörung steht in keinem
Verhältniss zum Ertrag.

In der Bevölkerung gibt es kein Bewusstsein zur Problemlage, obwohl Kleinode unwiederbringlich
verloren gehen und gleichzeitig die Gewinne nicht in Galicien verbleiben, sondern nach Madrid
abfliessen. Auch E.on ist in Galicien und Asturien vertreten.

Bleibt anzumerken, dass FRANCO schon ab den 40iger Jahren die Wasserkraft in Spanien "populär"
gemacht hat. Bis in die 70iger Jahre wurden Bewohner von Grund und Boden vertrieben,
um riesige Landstriche unter Wasser zu setzen. Eine Diktatur hat hier ganz klar Vorteile.

2. Die Angler sind speziell in Asturien ein nicht zu unterschätzender Spassverderber.
Ab Mitte März ist es nicht ratsam auf asturischen Bächen unterwegs zu sein.
Dann beginnt nämlich die Lachssaison und tausende tarnfarbentragende "pescadores" lassen
kein Platz für andere Freizeitaktivitäten. Schon FRANCO kam zum Lachsangeln nach Asturien
, der "campanu", erster geangelter Lachs wird schon mal für lockere 6000 euros versteigert.
Es geht hier also ums Geschäft, die Anglerlobby ist sehr stark und hat sogar im Mai 2011
die asturischen Wahlen gewonnen.

Nächster Präsident Asturiens wird ein passionierter Lachsangler sein, der schon in seiner Zeit
als spanischer Vizepräsident unter Aznar 1999 das Rafting in Asturien verboten hatte.
Doch wie ist dies alles nur möglich.

Damit kommen wir zu:

3. Merkwürdige Umweltgesetze zum befahren von Gewässern in ganz Spanien machen all dies
möglich.
Jedes grössere Flusseinzugsgbiet in Spanien (Z.B. Ebro, entwässert komplett die Pyrenäen) hat
eine eigene Wasserbehörde.

Zum Befahren eines Pyrenäenbachs müsste man bei der
"Confederacion Hidrografica del Ebro CHE""
eine Genehmigung beantragen, die aktuell ca. 20 euros für Privatpersonen kostet.

Diese "permiso de navegar" muss aber Monate im voraus beantragt warden und gilt meistens nur
füreinen Fluss.

In Katalonien werden diese "permisos" belächelt (z.B. rio Noguera Pallaresa),
im angrenzendenAragon
dagegen (Rio Ara) kann es Ärger und Anzeigen geben, wenn man ohne "permiso" unterwegs ist.
Dies ist der politischen Situation geschuldet und würde zu weit vom eigentlichen Thema der
Befahrungsregeln wegführen.

Für Hydrospeed braucht man übrigens in den Pyrenäen keine Genehmigung,
denn nur Wasserfahrzeuge
mit Antrieb brauchen diese. Das Paddel gilt hier als Antrieb die Flossen aber nicht.

In Asturien kann man bei der "Confederacion Hidrografica del Cántabrico CHC" im Prinzip eine
"permiso" beantragen. Meistens bekommt man man keine Antwort.

Oder man bekommt eine Genehmigung für einen Abschnitt den man gar nicht beantragt hat oder
aber für die uminteressanten trockenen Sommermonate.

Von November bis Mitte März (wasserreichste Monate) gibt es in Asturien generell keine
Befahrungserlaubnis, denn angeblich würde zu dieser Zeit der Lachs gestört.

In Asturien sind eben diese wichtigen Behörden fest in Anglerhand und es besteht nach der
lezten Wahl null Möglichkeit auf Veränderung.

Der Kayak Club Cuenca hat mal durchgerechnet:

Wenn man jedes Wochenende in Spanien auf einem anderen Fluss paddeln möchte und dies
legal machen würde, käme im Schnitt eine Summe von 1800,- euros pro Paddler und Jahr nur
für Genehmigungen zusammen.
Aber noch ein anderes Problem würde auftauchen, denn es ist Pflicht ein riesiges selbsklebendes
Nummernschild der jeweiligen Wasserbehörde aufs Kayak zu kleben und alle Nummernschilder der
verschiedenen Behörden würden niemals auf ein Kayak passen.

Nebenan der Río Belelle am 01. Februar 2009 bei gut Wasser.
Mehr Fotos im BLOG.
Viel Regen und satt Wasser in Galicia.

 

 

Neulich bei der Erstbefahrung auf dem mittleren Landro.
Celso hatte danach Kopfschmerzen.

Mehr Fotos im BLOG

Bericht bei kajak.at

 



boys of summer - galicia 2001

a film by bernhard jekat

Galicienausschnitte hier als

Download (20MB)

   

 

 
 


 

 
 

 

 

 
 

 

   
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